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<title>Simon Stevin</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Simon Stevin</span></h1>
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<p><b>Simon Stevin</b> (latinisiert <i>Simon Stevinus</i>; * <a href="1548" title="1548">1548</a>/<a href="1549" title="1549">49</a> in <a href="Br%C3%BCgge" title="Brügge">Brügge</a> (<a href="Flandern" title="Flandern">Flandern</a>); † <a href="1620" title="1620">1620</a>) war ein <a href="Flamen" title="Flamen">flämischer</a> <a href="Mathematiker" title="Mathematiker">Mathematiker</a>, <a href="Physiker" title="Physiker">Physiker</a> und <a href="Ingenieur" title="Ingenieur">Ingenieur</a>. Er war auf vielen Gebieten der Wissenschaften theoretisch und praktisch tätig, aber am bekanntesten ist er für seine Übersetzungen vieler mathematischer Begriffe in die niederländische Sprache. Er schlug außerdem bereits 1585 ein rein <a href="Geschichte_von_Ma%C3%9Fen_und_Gewichten#Das_metrische_System" class="mw-redirect" title="Geschichte von Maßen und Gewichten">dezimales Maßsystem</a> vor.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Lebenslauf">Lebenslauf</h2></div>
<p>Von Stevins Lebensumständen ist sehr wenig bekannt; der genaue Tag seiner Geburt und der Tag (im Frühling) und der Ort seines Todes (<a href="Den_Haag" title="Den Haag">Den Haag</a> oder <a href="Leiden_(Stadt)" title="Leiden (Stadt)">Leiden</a>) sind gleichermaßen unbekannt.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Er war der illegitime Sohn von Antheunis Stevin und Cathelijen van de Poort, wohlhabende Bürger aus Brügge. Ein paar Hinweise in seinem Werk besagen, dass er als kaufmännischer Angestellter (Buchhalter) in Brügge und <a href="Antwerpen" title="Antwerpen">Antwerpen</a> begann, dass er zwischen 1571 und 1577 nach Polen, Dänemark, Norwegen und andere Länder Nordeuropas reiste und dass er ab 1581 in Leiden war, wo er ab 1583 an der Universität studierte. Über seinen religiösen Hintergrund und ob er vor Verfolgung in den spanischen Niederlanden dorthin floh, ist nicht bekannt. Er war mit Prinz <a href="Moritz_(Oranien)" title="Moritz (Oranien)">Moritz von Oranien</a> bekannt, der seinen Rat bei vielen Gelegenheiten suchte und ihn zu einem Angestellten und Direktor des sogenannten Waterstaat machte (der Regierungsbehörde für Wasserangelegenheiten) und später (ab 1604) zum General-Quartiermeister der Armee. Er war auch Verwalter der Güter von Moritz von Oranien, arbeitete für diesen als Ingenieur und eröffnete für diesen eine Ingenieursschule in Leiden.
</p><p>1610 heiratete er Catherine Cray, mit der er vier Kinder hatte. Der Sohn Hendrick war ebenfalls ein begabter Wissenschaftler und veröffentlichte einige von Stevins Manuskripten.
</p><p>In Brügge gibt es einen Simon-Stevin-Platz mit einer Statue von ihm, die 1846 von Eugène Simonis geschaffen wurde.
</p><p>Der <a href="Mondkrater" title="Mondkrater">Mondkrater</a> <a href="Stevinus_(Mondkrater)" title="Stevinus (Mondkrater)">Stevinus</a> und der <a href="Asteroid" title="Asteroid">Asteroid</a> <a href="(2831)_Stevin" title="(2831) Stevin">(2831) Stevin</a> sind nach ihm benannt. Die <a href="Stevinsluizen" title="Stevinsluizen">Stevinsluizen</a>, ein Tidesperrwerk im Abschlussdeich des <a href="IJsselmeer" title="IJsselmeer">IJsselmeers</a>, wurden ebenfalls zu Ehren von Simon Stevin benannt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Wissenschaftliche_Leistungen">Wissenschaftliche Leistungen</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Entdeckungen_und_Erfindungen:_der_Segelwagen,_Windmühlen"><span id="Entdeckungen_und_Erfindungen:_der_Segelwagen.2C_Windm.C3.BChlen"></span>Entdeckungen und Erfindungen: der Segelwagen, Windmühlen</h3></div>
<p>Seine Verdienste sind vielfältig. Seine Zeitgenossen waren besonders beeindruckt von seiner Erfindung eines <a href="Segelwagen" title="Segelwagen">Fahrzeugs mit Segeln</a>, von dem ein kleines Modell in <a href="Scheveningen" title="Scheveningen">Scheveningen</a> bis 1802 aufbewahrt wurde. Das Fahrzeug war lange zuvor verloren gegangen, aber man weiß, dass Stevin es ungefähr im Jahr 1600 mit Prinz <a href="Moritz_von_Oranien" class="mw-redirect" title="Moritz von Oranien">Moritz von Oranien</a> und 26 anderen an der Küste von Scheveningen und Petten benutzte, dass es allein vom Wind angetrieben wurde und dass es eine Geschwindigkeit erreichte, welche die von Pferden überstieg.
</p><p>Stevin verbesserte auch die zur Entwässerung des Landes eingesetzten Windmühlen<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und es existieren von Stevin eine Reihe von Patenten, die ihn wohlhabend machten. Er schrieb auch eine Abhandlung über Windmühlen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Philosophie_der_Wissenschaften">Philosophie der Wissenschaften</h3></div>
<p>Eine andere Idee von Stevin, für die ihm <a href="Hugo_Grotius" title="Hugo Grotius">Hugo Grotius</a> große Zustimmung erteilte, war seine Theorie eines vergangenen Zeitalters der Weisheit. Das anzustrebende Ziel ist die Hervorbringung eines zweiten Zeitalters der Weisheit, in dem die Menschheit alle ihre früheren Kenntnisse wiederentdeckt. -
Seine Landsleute waren stolz darauf, dass er in ihrem eigenen Dialekt schrieb, den er für eine universelle Sprache geeignet hielt, weil keine andere über so viele einsilbige Wortstämme verfügt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Geometrie_und_Physik">Geometrie und Physik</h3></div>
<p>Stevin war der erste, der gezeigt hat, wie man regelmäßige und unregelmäßige Vielflächenkörper modellieren kann, indem man sie in der Ebene skizziert. Stevin unterschied auch das stabile vom instabilen <a href="Gleichgewicht_(Systemtheorie)" title="Gleichgewicht (Systemtheorie)">Gleichgewicht</a>. Er bewies mit dem <a href="Stevinsches_Gedankenexperiment" title="Stevinsches Gedankenexperiment">Stevinschen Gedankenexperiment</a> das Gesetz vom Gleichgewicht auf einer <a href="Schiefe_Ebene" title="Schiefe Ebene">schiefen Ebene</a>.
</p>
<p>Er zeigte vor <a href="Pierre_de_Varignon" title="Pierre de Varignon">Pierre de Varignon</a> die Auflösung von Kräften, was vorher noch nicht erkannt worden war, obwohl es eigentlich eine einfache Folge des Gesetzes ihrer Zusammensetzung ist (<a href="Kr%C3%A4fteparallelogramm" title="Kräfteparallelogramm">Kräfteparallelogramm</a> und <a href="Virtuelle_Verschiebung" class="mw-redirect" title="Virtuelle Verschiebung">Virtuelle Verschiebung</a>).
</p><p>Stevin entdeckte das <a href="Hydrostatisches_Paradoxon" title="Hydrostatisches Paradoxon">hydrostatische Paradoxon</a>, nach dem der Druck am Boden einer Flüssigkeit unabhängig von der Form des Behälters ist und nur von der Wasserstandshöhe über dem Boden abhängt.
</p><p>Er gab auch das Maß des Druckes auf eine beliebige Stelle der Wand eines Behälters an und erklärte, weshalb Flüssigkeiten in <a href="Kommunizierende_R%C3%B6hren" title="Kommunizierende Röhren">kommunizierenden Röhren</a> einen gleichmäßigen Wasserstand haben.
</p><p>Stevin war ein unbedingter Befürworter des Kopernikanischen Systems, das er auch in seinem Buch <i>De Hemelloop</i> darstellte. 1590 stellte er die These auf, dass die <a href="Gezeiten" title="Gezeiten">Gezeiten</a> durch die <a href="Mond#Einflüsse_auf_die_Erde" title="Mond">Anziehung des Mondes</a> zu erklären sind.
</p><p>1586 demonstrierte er, dass zwei Objekte mit verschiedenem Gewicht mit derselben Geschwindigkeit zu Boden <a href="Freier_Fall" title="Freier Fall">fallen</a>, was üblicherweise als Erkenntnis von <a href="Galileo_Galilei" title="Galileo Galilei">Galileo Galilei</a> gilt, aber auch schon von Physikern vor Galilei erkannt wurde (im Fall von Stevin kam der Einfluss indirekt über <a href="Giovanni_Battista_Benedetti" title="Giovanni Battista Benedetti">Giovanni Battista Benedetti</a>).
</p><p>Auch legte er überzeugend dar, dass ein <a href="Perpetuum_mobile" title="Perpetuum mobile">Perpetuum mobile</a> nicht existieren kann.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Festungen">Festungen</h3></div>
<p>Stevin stand seit ungefähr 1593 in den Diensten des Prinzen <a href="Moritz_von_Oranien" class="mw-redirect" title="Moritz von Oranien">Moritz von Oranien</a>. 1599 erhielt Stevin den Auftrag, eine „instructie“ zur Gründung einer Ingenieurschule zu entwerfen, die mit der <a href="Universit%C3%A4t_Leiden" title="Universität Leiden">Universität Leiden</a> verbunden sein sollte und die dann auch eröffnet wurde.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Dafür schrieb er auch 1594 ein Lehrbuch (Stercktenbouwinge), das allgemein von den holländischen Festungsingenieuren benutzt wurde. Sein Eintreten für die Lehre der Wissenschaft der Festungen an Universitäten und die Existenz solcher Vorlesungen in <a href="Leiden_(Stadt)" title="Leiden (Stadt)">Leiden</a> haben zu dem Eindruck geführt, dass er selbst diesen Lehrstuhl ausfüllte, aber dies ist ein Irrglaube, denn Stevin hatte niemals direkte Beziehungen mit der Universität, obwohl er in Leiden wohnte. Er war häufig Berater bei Befestigungen als unter Moritz von Oranien ein ganzer Ring von Festungen in den Niederlanden angelegt wurde, die eigentliche Ingenieursarbeit führten aber andere aus (wie <a href="Adriaan_Anthonisz" title="Adriaan Anthonisz">Adriaan Anthonisz</a>, <a href="David_van_Orliens" title="David van Orliens">David van Orliens</a>, <a href="Johan_van_Rijswijck" title="Johan van Rijswijck">Johan van Rijswijck</a>, <a href="Johan_van_Valckenburgh" title="Johan van Valckenburgh">Johan van Valckenburgh</a>, <a href="Samuel_Marolois" title="Samuel Marolois">Samuel Marolois</a>).
</p><p>Stevin war anscheinend der erste, der es zum Axiom gemacht hat, dass Festungen nur mit Artillerie zu verteidigen sind. Vorher hat die Verteidigung meistens auf kleine Feuerwaffen vertraut.
</p><p>Er war der Erfinder der Verteidigung durch ein System von Schleusen, was sich für die Niederlande als von höchster Wichtigkeit erwies.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Buchhaltung">Buchhaltung</h3></div>
<p>Die <a href="Doppelte_Buchf%C3%BChrung" class="mw-redirect" title="Doppelte Buchführung">doppelte Buchführung</a> könnte Stevin als kaufmännischer Angestellter in Antwerpen praktisch kennengelernt haben oder durch die Werke von italienischen Autoren wie <a href="Luca_Pacioli" title="Luca Pacioli">Luca Pacioli</a> und <a href="Gerolamo_Cardano" title="Gerolamo Cardano">Gerolamo Cardano</a>. Jedenfalls war er der erste, der die Anwendung von unpersönlichen Konten im nationalen Staatshaushalt empfahl. Er praktizierte das für Prinz Moritz und empfahl es dem französischen Staatsmann <a href="Maximilien_de_B%C3%A9thune%2C_duc_de_Sully" title="Maximilien de Béthune, duc de Sully">Sully</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Dezimalzahlen">Dezimalzahlen</h3></div>
<p>Simon Stevins größter Erfolg war unbestritten ein kleines Lehrbuch mit dem Titel <i>De Thiende</i> („Das Zehntel“), das erstmals 1585 auf Holländisch veröffentlicht wurde.<sup id="cite_ref-:0_4-0" class="reference"><a href="#cite_note-:0-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> <i>De Thiende</i> dürfte sich nach der Veröffentlichung einer großen Popularität erfreut haben,<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> bis 1650 gab es zwei niederländische, drei französische und zwei englische Versionen.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Titelseite des Lehrbuches trägt die Beschriftung: „DE THIENDE welche lehrt, mit unerhörter Leichtigkeit alle Rechnungen, die unter den Menschen nötig werden, durch Zahlen ohne Brüche zu erledigen. Beschrieben von Simon Stevin aus Brügge. Zu Leyden bei Christoffel Plantijn. M. D. LXXXV.“<sup id="cite_ref-:0_4-1" class="reference"><a href="#cite_note-:0-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das eigentliche Buch beginnt mit einer Vorrede, in welche Stevin „[d]en Astronomen, Landmessern, Tuchmessern, Weinmessern, Stereometern im allgemeinen, Münzmeistern und allen Kaufleuten […] Glück [wünscht].“<sup id="cite_ref-:0_4-2" class="reference"><a href="#cite_note-:0-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der Hauptteil fasst eine Inhaltsangabe, welcher zu entnehmen ist, dass „De Thiende“ zweiteilig aufgebaut ist.<sup id="cite_ref-:0_4-3" class="reference"><a href="#cite_note-:0-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der erste Teil erklärt die Idee hinter der neuen Zahlendarstellung, der zweite erläutert das Rechnen mit den neuartigen Zahlen anhand der vier Grundrechenarten und zwei Anmerkungen. Letztgenannte beinhalten Hinweise auf den Umgang mit dem Fall, dass der Dividend beim Teilen kleiner als der Divisor ist und auf das Wurzelziehen.<sup id="cite_ref-:0_4-4" class="reference"><a href="#cite_note-:0-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Dezimalbrüche waren ca. 500 Jahre vor seiner Zeit schon angewandt worden, um Quadratwurzeln zu ziehen, aber keiner vor Stevin führte sie zum täglichen Gebrauch ein. Und er war sich der Bedeutung seiner Neuerung so bewusst, dass er erklärte, dass die allgemeine Einführung von Dezimalmünzen, -Maßen und -Gewichten nur eine Frage der Zeit seien, womit er recht behielt.
</p><p>Seine Schreibweise der Dezimalstellen ist aber sehr unhandlich. Der Punkt, der die Ganzzahlen von den Zehnerbrüchen trennt, scheint eine Erfindung von <a href="Bartholom%C3%A4us_Pitiscus" title="Bartholomäus Pitiscus">Bartholomäus Pitiscus</a> zu sein, in dessen trigonometrischen Tafeln er 1612 auftauchte. Der Punkt wurde auch von <a href="John_Napier" title="John Napier">John Napier</a> in seinen logarithmischen Papieren 1614 und 1619 akzeptiert.
</p>
<p>Stevin schrieb kleine Kreise um die Exponenten der verschiedenen Potenzen der Zehntel. Die Tatsache, dass Stevin diese eingekreisten Zahlen benutzte, um Exponenten darzustellen, ist offensichtlich, weil er dieselben Zeichen für die Potenzen von algebraischen Größen verwandte. Er vermied nicht einmal gebrochene Exponenten, und er kannte nur negative Exponenten nicht.
</p><p>Stevin schrieb auch über andere wissenschaftlichen Themen: Optik, Geografie, Astronomie, und viele seiner Schriften wurden von W. Snellius (<a href="Willebrord_Snell" class="mw-redirect" title="Willebrord Snell">Willebrord Snell</a>) in das Lateinische übersetzt. Es gibt zwei vollständige französische Ausgaben seiner Werke, beide in Leiden gedruckt, eine von 1608 und die andere von 1634.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Musiktheorie">Musiktheorie</h3></div>
<p>In seiner Schrift <i>Van de Spiegheling der Singconst</i> formulierte Stevin eine polemische Antithese gegen <a href="Euklid" title="Euklid">Euklids</a> Tonsystemtheorie, der die Unteilbarkeit vieler musikalischer <a href="Intervall_(Musik)" title="Intervall (Musik)">Intervalle</a> wie Oktave, Quinte, Quarte und Ganzton aufgrund ihrer Irrationalität behauptete. Stevin erklärte das Irrationale für rational, weil er in der Lage war, mit seinen Dezimalzahlen auch die Wurzeln der Proportionen besagter Intervalle zu definieren. Er ging in seiner Tonsystemtheorie von beliebigen Wurzeln der Oktav-Proportion 2 aus und definierte die zwölfstufige <a href="Lautenstimmung" title="Lautenstimmung">Lautenstimmung</a> über Potenzen der zwölften Wurzel aus 2, die er dann durch Dezimalbrüche gut näherte. Das entspricht einer Umrechnung der additiven Intervalle nach <a href="Aristoxenos" title="Aristoxenos">Aristoxenos</a> in die multiplikativen Proportionen mit einer <a href="Exponentialfunktion" title="Exponentialfunktion">Exponentialfunktion</a> zur Basis 2. Er verwarf die übliche Interpretation als <a href="Temperierte_Stimmung" title="Temperierte Stimmung">temperiertes Tonsystem</a>, weil er die <a href="Pythagoreische_Stimmung" title="Pythagoreische Stimmung">pythagoreische Stimmung</a> der Konsonanzen nicht als wahr ansah, sondern seine Wurzelwerte als wahre Werte betrachtete.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Wortschöpfungen_(Neologismen)"><span id="Wortsch.C3.B6pfungen_.28Neologismen.29"></span>Wortschöpfungen (Neologismen)</h3></div>
<p>Stevin hielt Niederländisch für eine ausgezeichnete Sprache für das wissenschaftliche Schreiben, und er übersetzte viele mathematische Ausdrücke ins Niederländische. Als Folge davon ist Niederländisch die einzige westeuropäische Sprache, die viele mathematische Ausdrücke enthält, die nicht vom Lateinischen (bzw. Griechischen) abstammen.
So kam es zum Beispiel, dass „wiskunde“ im Niederländischen das Wort für Mathematik ist.
</p><p>Er hatte ein Auge für die Wichtigkeit, dass die Sprache der Wissenschaft dieselbe ist wie die Sprache der Handwerker, und das zeigt sich in der Widmung seines Buches <i>De Thiende</i> („Das Zehntel“): 'Simon Stevin wünscht den Sternguckern, Vermessern, Teppichvermessern, Körpervermessern im Allgemeinen, Münzvermessern und Handelsleuten viel Glück.'
Weiter unten in dem Buch schreibt er: „[dieser Text] lehrt uns alle Berechnungen, die das Volk braucht, ohne Brüche zu benutzen. Man kann alle Operationen reduzieren auf Addieren, Subtrahieren, Multiplizieren und Dividieren mit Ganzzahlen.“
</p><p>Die Worte, die er erfand, entwickelten sich: 'aftrekken' (<i>abziehen</i>) und 'delen' (<i>teilen</i>) blieben gleich, aber im Laufe der Zeit wurde aus 'menigvuldigen' (<i>multiplizieren</i>) 'vermenigvuldigen' (das hinzugefügte 'ver' hat keine Bedeutung), und aus 'vergaderen' (<i>addieren</i>) wurde 'optellen'.
Das Wort 'zomenigmaal' (wörtlich 'so viele Male') wurde im modernen Niederländisch zu dem wohl weniger poetischen <i>Quotient</i>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Schriften">Schriften</h2></div>
<p>Neben anderen Werken veröffentlichte er:
</p>
<ul><li>Tafelen van Interest (Zinstafeln) 1582</li>
<li>Problemata geometrica 1583</li>
<li>De Thiende (Das Zehntel) 1585 (hiermit wurden die Dezimalzahlen in Europa eingeführt)<sup id="cite_ref-:0_4-5" class="reference"><a href="#cite_note-:0-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li>
<li>La pratique d’arithmétique 1585</li>
<li>L’arithmétique in 1585 (hier wurde eine allgemeine Behandlung algebraischer Gleichungen vorgestellt)</li>
<li>De Beghinselen der Weegconst 1586</li>
<li>De Beghinselen des Waterwichts (Prinzipien des Wassergewichts) 1586 (über das Thema <a href="Hydrostatik" title="Hydrostatik">Hydrostatik</a>)</li>
<li>Vita Politica. Het Burgherlick leven (Das bürgerliche Leben) 1590</li>
<li>De Sterktenbouwing (Die Konstruktion von <a href="Festung" title="Festung">Festungen</a>) 1594</li>
<li>De Havenvinding (Positionsfindung) 1599</li>
<li>De Hemelloop 1608 (Der Himmelslauf)</li>
<li>Wiskonstighe Ghedachtenissen (Mathematische Memoiren), Leiden 1605 bis 1608. Diese schließt frühere Werke ein wie De Driehouckhandel (<a href="Trigonometrie" title="Trigonometrie">Trigonometrie</a>), De Meetdaet (Praxis der <a href="Vermessung" title="Vermessung">Vermessung</a>), und De Deursichtighe (<a href="Perspektive" title="Perspektive">Perspektive</a>) ein.
<ul><li>Lateinische Übersetzung mit dem Titel <i>Hypomnemata mathematica</i> durch <a href="Willebrord_van_Roijen_Snell" title="Willebrord van Roijen Snell">Willebrord van Roijen Snell</a> (Snellius), Leiden 1605 bis 1608, <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.e-rara.ch/zut/content/titleinfo/2643441">Digitalisat</a> (ETH-Bibliothek)</li></ul></li>
<li>Castrametatio, dat is legermeting and Nieuwe Maniere van Stercktebou door Spilsluysen (Neue Art <a href="Schleuse" title="Schleuse">Schleusen</a> zu bauen) 1617</li>
<li>De Spiegheling der Singconst (Theorie der Kunst des Singens)</li>
<li>Œuvres mathématiques..., Leyde, 1634 <a rel="nofollow" class="external text" href="http://architectura.cesr.univ-tours.fr/Traite/Notice/B250566101_11463.asp?param=">(architectura.cesr.univ-tours.fr)</a></li>
<li>Charles van den Heuvel <i>De Huysbou. A reconstruction of an unfinished treatise on architecture, town planning and civil engineering by Simon Stevin</i>, History of Science and Scholarship in the Netherlands, Band 7, Königlich Niederländische Akademie der Wissenschaften 2007</li></ul>
<p>Die Gesammelten Werke von Stevin wurden herausgegeben von Ernst Crone, E.J. Dijksterhuis, R.J. Forbes, M.G.J. Minnaert, <a href="Anton_Pannekoek" title="Anton Pannekoek">A. Pannekoek</a>: <i>The Principal Works of Simon Stevin</i>, Amsterdam: Swets & Zeitlinger, 1955–1966 (Band 1 Mechanik, Band 2a, 2b Mathematik, 3 Astronomie/Navigation, 4 Kriegskunst, 5 Ingenieurswesen – Musik – Ziviles Leben) <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.dwc.knaw.nl/toegangen/diverse-online-publicaties/">Online</a>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Eduard_Jan_Dijksterhuis" title="Eduard Jan Dijksterhuis">Eduard Jan Dijksterhuis</a> <i>Simon Stevin</i>, ’s-Gravenhage 1943 (niederländisch)
<ul><li>gekürzte englische Ausgabe <i>Simon Stevin. Science in the Netherlands around 1600</i>, Den Haag, Martinus Nijhoff 1970</li></ul></li>
<li><a href="Marcel_Minnaert" title="Marcel Minnaert">Marcel Minnaert</a>: <cite class="lang" lang="en" dir="auto" style="font-style:italic">Stevin, Simon</cite>. In: <a href="Charles_Gillispie" title="Charles Gillispie">Charles Coulston Gillispie</a> (Hrsg.): <cite class="lang" lang="en" dir="auto" style="font-style:italic"><a href="Dictionary_of_Scientific_Biography" title="Dictionary of Scientific Biography">Dictionary of Scientific Biography</a></cite>. <span style="white-space:nowrap">Band<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>13</span>: <span style="font-style:italic;">Hermann Staudinger – Giuseppe Veronese</span>. Charles Scribner’s Sons, New York 1976, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>47–51</span> (englisch).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Simon+Stevin&rft.atitle=Stevin%2C+Simon&rft.au=Marcel+Minnaert&rft.btitle=Dictionary+of+Scientific+Biography&rft.date=1976&rft.genre=book&rft.pages=47-51&rft.place=New+York&rft.pub=Charles+Scribner%E2%80%99s+Sons&rft.volume=Band+13%3A+Hermann+Staudinger+-+Giuseppe+Veronese" style="display:none"> </span></li>
<li><a href="Dirk_Struik" title="Dirk Struik">Dirk Struik</a> <i>The land of Stevin and Huygens. A sketch of science and technology in the dutch republic during the golden age</i>, Reidel 1981 (Kapitel 5 zu Stevin)</li>
<li>K. van Berkel <i>The legacy of Stevin. A chronological narrative</i>, Leiden 1999</li>
<li>Jozef T. Devreese, Guido Vanden Berghe <i>Magic is no magic. The wonderful world of Simon Stevin</i>, WIT Press, Southampton (Boston), 2008</li>
<li>Rolf Grabow <i>Simon Stevin</i>, Teubner, Leipzig 1985</li>
<li>Bergmann, Schaefer – Lehrbuch der Experimentalphysik – Band I – Mechanik, Akustik, Wärme – 9. Auflage – Kapitel II, 61f</li>
<li><a href="Fritz_Krafft" title="Fritz Krafft">Fritz Krafft</a> (Hrsg.): „Vorstoß ins Unbekannte“ – Lexikon großer Naturwissenschaftler; Wiley-VCH 1999, ISBN 3-527-29656-5, 395f</li>
<li><a href="Menso_Folkerts" title="Menso Folkerts">Menso Folkerts</a>: <cite style="font-style:italic">Stevin, Simon</cite>. In: <cite style="font-style:italic"><a href="Neue_Deutsche_Biographie" title="Neue Deutsche Biographie">Neue Deutsche Biographie</a></cite>. (NDB). <span style="white-space:nowrap">Band<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>25</span>. Duncker & Humblot, Berlin 2013, ISBN 978-3-428-11206-7, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>312</span> (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.deutsche-biographie.de/gnd11875372X.html#ndbcontent">deutsche-biographie.de</a>).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Simon+Stevin&rft.atitle=Stevin%2C+Simon&rft.au=Menso+Folkerts&rft.btitle=Neue+Deutsche+Biographie&rft.date=2013&rft.genre=book&rft.isbn=9783428112067&rft.pages=312&rft.place=Berlin&rft.pub=Duncker+%26+Humblot&rft.volume=25" style="display:none"> </span></li>
<li><a href="Moritz_Cantor" title="Moritz Cantor">Moritz Cantor</a>: <i><a href="https://de.wikisource.org/wiki/ADB:Stevin,_Simon" class="extiw external" title="s:ADB:Stevin, Simon">Stevin, Simon</a>.</i> In: <i><a href="Allgemeine_Deutsche_Biographie" title="Allgemeine Deutsche Biographie">Allgemeine Deutsche Biographie</a></i> (ADB). Band 36, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 158–160.</li>
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<li><a href="Karl-Eugen_Kurrer" title="Karl-Eugen Kurrer">Karl-Eugen Kurrer</a>: <i>The History of the Theory of Structures. Searching for Equilibrium</i>, <a href="Ernst_%26_Sohn" title="Ernst & Sohn">Ernst & Sohn</a> 2018, S. 29f und S. 1064 (Biografie), ISBN 978-3-433-03229-9.</li>
<li>Guido Vanden Berghe, Dieter Viaene, Ludo Vandamme: <i>Simon Stevin van Brugghe (1548–1520). Hij veranderde de wereld.</i> Sterck & Devreese, Gorredijk 2020, ISBN 978-90-5615-655-8.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
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.mw-parser-output .webarchiv-memento a{color:inherit}
/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20170705084250/http://www.let.rug.nl/polders/boekje/history.htm">Frederick Stokhuyzen <i>The Dutch Windmill</i>, Abschnitt Geschichte</a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 5. Juli 2017 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>)</span>
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</ol>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Simon_Stevin?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Simon Stevin</a></span></b> – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=11875372X">Literatur von und über Simon Stevin</a> im Katalog der <a href="Deutsche_Nationalbibliothek" title="Deutsche Nationalbibliothek">Deutschen Nationalbibliothek</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://kxp.k10plus.de/DB=1.28/REL?RELTYPE=TT&PPN=004298829">Druckschriften von und über Simon Stevin</a> im <a href="VD_17" title="VD 17">VD 17</a>.</li>
<li><a href="CERL" class="mw-redirect" title="CERL">Consortium of European Research Libraries</a>: Simon Stevin <a rel="nofollow" class="external text" href="http://thesaurus.cerl.org/record/cnp01259618">Werkeverzeichnis</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20120113124959/http://home.planet.nl/~hopfam/ThiendeMenu.html">Ausführliche Webseiten zu De Thiende und seine Übersetzung ins Englische, Französische und Schwedische, sowie Scans dieser Bücher (holl.)</a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 13. Januar 2012 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.newadvent.org/cathen/14293b.htm">Text der Katholischen Enzyklopädie</a> (englisch)</li>
<li>John J. O’Connor, <a href="Edmund_Robertson" title="Edmund Robertson">Edmund F. Robertson</a>: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://mathshistory.st-andrews.ac.uk/Biographies/Stevin/"><i>Simon Stevin.</i></a> In: <span lang="en"><i><a href="MacTutor_History_of_Mathematics_archive" title="MacTutor History of Mathematics archive">MacTutor History of Mathematics archive</a></i></span> (englisch).</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/88961753">Urheber: Hulsius, Levinus & Palthenius, Hartmann, Verleger Verwalter: Dresden, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB), Signatur/Inventar-Nr.: Milit.B.199 – Stich von Stevins Segelwagen</a></li></ul>
<div class="hintergrundfarbe1 rahmenfarbe1 navigation-not-searchable normdaten-typ-p" style="border-style: solid; border-width: 1px; clear: left; margin-bottom:1em; margin-top:1em; padding: 0.25em; overflow: hidden; word-break: break-word; word-wrap: break-word;" id="normdaten">
<div style="display: table-cell; vertical-align: middle; width: 100%;">
<div>
Normdaten (Person): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/11875372X">11875372X</a></span> | <a href="Library_of_Congress_Control_Number" title="Library of Congress Control Number">LCCN</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://id.loc.gov/authorities/n86103451">n86103451</a></span> | <a href="Virtual_International_Authority_File" title="Virtual International Authority File">VIAF</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://viaf.org/viaf/68938579/">68938579</a></span> | </div>
</div></div>
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